„Ob ich vom Büro oder von zu Hause aus mit Japan telefoniere, spielt ja im Prinzip keine Rolle.“

 

Interview mit der Geschäftsführung
Voll im Leben – Teilzeit arbeiten

Wir bauen unser Teilzeitangebot aus. Damit reagieren wir auf den zunehmenden Wunsch von Mitarbeitern und Bewerbern nach speziellen Lösungen. Warum Teilzeit keine Karrierebremse ist, erklärt Bosch Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Dr. jur. Wolfgang Malchow.

 

Herr Malchow, was ist das Ziel der Teilzeitinitiative „Voll im Leben – Teilzeit arbeiten“?

Viele Firmen reden von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – wir handeln auch, und zwar schon lange. So haben wir in den vergangenen Jahren die Zahl der Teilzeitmodelle auf mehrere Hundert erhöht. Väter in Elternzeit etwa gab es 2007 viermal so viele wie im Jahr zuvor. Jetzt gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt. An ausgewählten Standorten schreiben wir einige Vollzeitstellen explizit auch als Teilzeitoption aus. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Privates noch besser verbinden können.

 
 

Was war der Beweggrund für diesen Schritt?

Zum einen natürlich der Wunsch unserer Mitarbeiter. Zum anderen der rasante Wandel in der Gesellschaft: Viele Berufstätige fragen vermehrt nach Familienfreundlichkeit im Unternehmen. Umfragen unter Arbeitnehmern in Deutschland zeigen, dass nicht mehr nur Gehalt, Weiterbildung und Aufstiegschancen eine Rolle bei der Arbeitgeberauswahl spielen. Auch Kinderfreundlichkeit und flexible Arbeitszeiten sind wichtige Entscheidungskriterien. Insofern ist die Initiative auch ein Signal an eine bisher zuweilen vernachlässigte Bewerbergruppe.

 

Ist Teilzeitarbeit nicht eine Karrierebremse?

Das sehe ich nicht so. Natürlich erwarten Führungskräfte und auch direkte Kollegen eine gewisse Flexibilität bei der Arbeitszeit, auch in Bezug auf den Umfang. Mit fünf Wochenstunden lässt sich keine Abteilung führen. Aber die Initiative zeigt klar: Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit werden grundsätzlich gleich behandelt. „Teilzeitlern“ steht die Tür zu Qualifizierungsmaßnahmen genauso offen wie Kollegen in Vollzeit. Auch die Mitgliedschaft im Förderkreis, Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Altersversorgung sind gewährleistet.

 
 

Was, glauben Sie, fehlt, um noch mehr Akzeptanz für das Thema zu schaffen?

Zunächst: Wir haben eine Menge erreicht in den vergangenen Jahren. Wir stehen gerade beim Thema Teilzeit sehr gut da. Auch hinsichtlich der Familienfreundlichkeit insgesamt erreichen wir hervorragende Werte in Studien zur Arbeitgeberattraktivität. Dennoch liegt vor uns noch ein gutes Stück Arbeit. Es soll nicht der Eindruck entstehen, wir hätten die Ziellinie schon erreicht. Gerade in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels müssen wir neue Wege gehen in Sachen Teilzeit und bei einigen ein Umdenken erreichen – damit meine ich Fach- und Führungskräfte. Hier ist uns übrigens das Feedback der Mitarbeiter zu den gemachten Erfahrungen sehr wichtig.

 

Welche Modelle können Mitarbeiter wahrnehmen?

Es sind verschiedene Möglichkeiten denkbar. Angefangen von verkürzter täglicher oder wöchentlicher Arbeitszeit, Arbeitswochen im Wechsel mit einer freien Woche, Jobsharing oder einer Kombination aus Teilzeit und Telearbeit.